_14_bis_21_FUERTEVENTURA - Woche 1
Nach einem Monat BergeBergeBerge genießen wir optisch bereits bei der Landung die im Vergleich zu Gran Canaria und La Palma flache Landschaft von Fuerteventura. Aber auch der Wind ist heftig, wir haben sofort einen Flashback nach Dakhla und auch sonst erinnert uns vieles hier an Marokko. Leider auch der Standard unseres ersten Airbnbs in der Inselmitte, das wir nach zwei Nächten und einer Ínvasion von Raupen, Fliegen, Ameisen und Mistkäfer wieder verlassen. Wir lieben ja die Natur, aber das Vieh muss draußen bleiben. Davon abgesehen, ist Fuerte überraschend grün, im Frühling blühen hier überall die Blumen, wirklich schön! In nordwestlichen El Cotillo lässt es sich wunderbar durch die Gassen des ruhigen Fischerdorfes spazieren, während man die raue Küstenluft genießt und das Treiben im Ort beobachtet. Am Tag des Umzuges erkunden wir das Landesinnere und machen einen Stopp im beschaulichen Valle de Santa Inés. Eingebettet in ein fruchtbares Tal, ist dies eines der ältesten Bauerndörfer der Insel, in dessen Zentrum die schlichte, weiße Ermita de Santa Inés steht, gewidmet der heiligen Inés von Rom (im Deutschen hl. Agnes). Sie wurde heiliggesprochen, weil sie im 4. Jahrhundert als junge Frau für ihren Glauben und ihre Überzeugungen eintrat. Der Legende nach weigerte sie sich, gegen ihre Prinzipien zu heiraten, und blieb trotz großer Widerstände und Verfolgungen unter dem römischen Kaiser Diokletian standhaft. Ihr Mut und ihre Opferbereitschaft machten sie zu einem Symbol für Reinheit und Charakterstärke, weshalb sie schon sehr früh als Märtyrerin verehrt wurde. Um 1600 ließ der Franziskaner-Laienbruder Francisco de Santa Inés die Kapelle auf seinem Privatgrundstück errichten. Von dort aus schlängelt sich die Straße in engen Serpentinen hinauf in die Berge Betancurias, wo wir aber an einem der Aussichtspunkte einen amüsanten Stopp einlegen, um die zutraulichen Atlas-Hörnchen zu beobachten. In Ajuy betritt man buchstäblich die Wiege der Kanaren, denn der Ort ist mit seinem uralten Gestein geologisch gesehen der älteste Teil des gesamten Archipels. Das Material am tiefschwarzen Strand existierte schon, bevor die afrikanische und die amerikanische Platte sich vollständig getrennt hatten. Mit unserer Ersatzunterkunft wechseln wir an die Nordost-Seite nach Corralejo. Vom ersten Spaziergang durch die Dünen an den Strand sind wir direkt begeistert. Türkisblaues Meer, kilometerlanger heller Sandstrand, Weite und dort, wo keine Infrastruktur ist, fast keine Menschen. Zum zweiten Mal nach dem Vorfall mit dem Ungeziefer vermissen wir unseren Camper richtig, auch wenn uns natürlich bewussst ist, dass wir hier nicht am Strand stehen dürften - das ist dann doch der Unterschied zu Marokko. Fuerte (stark) + viento (Wind) = Fuerteventura, wir nehmen ein Beach Tent in unseren Hausstand auf, damit wir einen Strandtag am Playa del Pozo machen können. Am Stadtstrand von Corralejo erregen diese Sandskulpturen meine Aufmerksamkeit, ich komme mit den beiden österreichischen Künstlern Adelheid und David ins Gespräch, deren Lebens- und Reisegeschichte mich wirklich beeindruckt. Seid 15 Jahren reisen die beiden (ohne Reisefahrzeug!) mit ihren 4 Kindern durch die Welt, sie sind schon den 3. Winter auf Fuerte und schlafen unter freiem Himmel in der Wüste. Wie geht das mit der Schule? Indem die Kinder keinen Hauptwohnsitz in Österreich haben, sondern auf einer US-Highschool angemeldet sind, wo sie ihre Abschlüsse machen. "Parent-Led Home-Based Education" nennt sich das, die Eltern sind Lehrplan Ersteller, Lehrer und Prüfer, regelmäßig (einmal im Jahr) gibt es einen Call mit der Direktiorin der Schule und das wars. Genial oder? Bevor wir unseren Wohnort in den Süden der Insel wechseln, gehen wir in der Inselmitte noch einmal wandern, denn um den Ort "La Oliva" hat die Natur lila Teppiche ausgelegt, die wir von oben sehen wollen.